Zahnimplantate – Risiken und Schmerzen

Welche Risiken gibt es bei der Zahnimplantation?

Wie jeder andere operative Eingriff, sollte auch das Einsetzen eines Zahnimplantats im Vorfeld gut überlegt und mit dem behandelnden Implantologen oder Zahnarzt abgesprochen sein. Das Risiko, dass etwas schief geht, ist theoretisch natürlich wie bei jeder Operation vorhanden. Die prozentuelle Häufigkeit von Misserfolgen ist jedoch gering. Um den nachhaltigen Behandlungserfolg zu sichern, ist auch die Mithilfe des Patienten nötig: Durch gründliche Mundhygiene und die Einhaltung von Kontrollterminen trägt er zur Langlebigkeit des kostbaren Implantates bei.

Wenn der behandelnde Arzt sorgfältig arbeitet, sind die Risiken und Schmerzen beim Implantieren gering. Deshalb ist es sehr wichtig, einen erfahrenen Implantologen zu wählen, der mit Hilfe modernster Technik, wie etwa mit computergestützter 3D-Implantatplanung die Behandlung durchführt. Vor dem operativen Eingriff, der idealerweise minimalinvasiv erfolgt, findet ein detailliertes Aufklärungsgespräch zu den Risiken statt. Der Patient muss sein Einverständnis für die Operation durch seine Unterschrift dokumentieren.

In seltenen Fällen kann es bei der Implantation bzw. dem Behandlungsverlauf zu Komplikationen und Schmerzen kommen. Erfahren Sie mehr über die Risiken – und wie diese weitestgehend zu vermeiden sind:


Zahnimplantat Im Unterkiefer
Zahnimplantat im Unterkiefer: Die Verschlusskappe schützt vor dem Risiko einer Entzündung
Bildquelle: Nobel Biocare Services AG


Risiko: Operationsbedingte Verletzungen

Das Risiko, dass es während dem chirurgischen Eingriff zu einer operationsbedingten Verletzung kommt, ist grundsätzlich bei jeder Operation vorhanden, so auch beim Implantieren einer künstlichen Zahnwurzel. Wenn der Eingriff nicht richtig vorbereitet und durchgeführt wird, können umliegende Nerven, Zähne, Kieferknochen oder die Kieferhöhlen verletzt werden.


Risiko: Nervenverletzungen

Im Seitenzahnbereich des Unterkiefers liegen diverse Blutgefäße zusammen mit einem Nerv in einem Knochenkanal. Dieser Nerv ist für die Gefühlsempfindlichkeit der Unterlippe und einen Teil des Kinns verantwortlich. Die Folge einer Verletzung dieses Nervs wäre ein länger anhaltendes oder sogar dauerhaftes Taubheitsgefühl. Um dies zu vermeiden, darf das Implantat nicht zu nah an diesem Nerv gesetzt werden.

Eine genaue Diagnostik im Vorfeld minimiert das Risiko von Nervenverletzungen.

Dazu gehören Röntgenaufnahmen mittels DVT, der strahlungsarmen digitalen Volumentomografie, die den exakten Nervenverlauf zeigt. Außerdem die computergestützte 3D-Implantatplanung, die eine präzise Bestimmung der Implantatpositionen im Kieferknochen ermöglicht.


Risiko: Wurzel- und Zahnverletzungen

Die Verletzung von Zahn- oder Wurzelmaterial umliegender Zähne ist bei entsprechender Sorgfalt des Zahnarztes bzw. Implantologen höchst selten. Wenn die Lücke, in die eine künstliche Zahnwurzel eingesetzt wird, sehr eng ist, kann die natürliche Wurzel eines Nachbarzahnes in den Operationsbereich hineinragen. Wenn darüber hinaus die Bohrrichtung ungünstig ist, kann eine Nachbarwurzel leicht verletzt werden. Normalerweise heilt diese Verletzung ohne Folgen wieder aus.

Für sehr enge Platzverhältnisse können auch schmale Zahnimplantate mit einem geringeren Durchmesser gewählt werden. Eine sorgfältige Diagnostik im Vorfeld und das Anfertigen einer Bohrschablone für eine sog. navigierte Implantation minimiert das Risiko, Nachbarzähne oder Wurzeln zu beschädigen.


Risiko: Kiefer- und Kieferhöhlenverletzung

Im Oberkiefer setzen die Ausdehnung der Kieferhöhle und die Nachbarschaft zur Nasenhöhle einer Implantation natürliche Grenzen. Der Oberkieferknochen grenzt an die Kieferhöhe, von der es eine natürliche Verbindung zur Nasenhöhle bzw. Nase gibt. Hier wird die eingeatmete Luft gefiltert und erwärmt. Ein Implantat darf die empfindliche Schleimhautauskleidung der Kieferhöhle nicht durchbrechen. Dies könnte zu Entzündungen der Kieferhöhle führen.

Auch hier gibt die 3D-Röntgendiagnostik im Vorfeld genaue Informationen, wie viel Platz vorhanden ist. Sollte Knochenvolumen fehlen und das Risiko bestehen, den Knochen zu durchbohren, kann der Zahnarzt kurze Implantate wählen. Eventuell kommt bei fehlender Knochenmasse auch der sogenannte Sinuslift zur Anwendung, um den Kieferhöhlenboden anzuheben. Nur bei ausreichendem Knochenvolumen finden die Implantatschrauben festen Halt und können in den Knochen einheilen.


Schmerzen und Schwellungen

Am Tag des operativen Eingriffs ist nach Abklingen der Betäubung ein mäßiger Wund- bzw. Knochenschmerz typisch. Dieser lässt sich – in Absprache mit dem behandelnden Zahnarzt – durch herkömmliche Schmerzmittel bekämpfen. Im Laufe der kommenden Tage sollte der Schmerz abklingen. Sollte der Schmerz anhalten oder sich sogar steigern, könnte dies auf eine Entzündung oder zumindest auf einen gestörten Heilungsprozess hinweisen.

Nicht ungewöhnlich sind Schwellungen, mit welchen das Weichgewebe auf den chirurgischen Eingriff reagiert.

Um Schwellungen und Schmerzen nach der Operation zu verringern, kann der betroffene Bereich gekühlt werden. In Absprache mit dem Implantologen ist auch manchmal die Einnahme eines Antibiotikums sinnvoll, um Entzündungen vorzubeugen.


Risiko: Blutverdünnende Medikamente

Blutungen sowie Blutergüsse können beim Implantieren auftreten, sollten sich aber im Regelfall schnell zurückbilden. Blutverdünnende Medikamente können zu Risiken führen.

Deshalb ist die Einnahme dieser Medikamente im Vorfeld immer mit dem Arzt im Patientengespräch abzuklären und am Operationstag in Absprache mit ihm eventuell abzusetzen.


Periimplantitis

Periimplantitis – was ist das?

Unter Periimplantitis versteht man in der Zahnmedizin eine Entzündung, die um ein Zahnimplantat herum auftritt. Von der Entzündung sind Schleimhaut und Knochen betroffen, sie bilden sich zurück. Die Erkrankung ähnelt einer Parodontitis bei natürlichen Zähnen. Unbehandelt führt eine Periimplantitis zum Verlust des Implantats, da das Implantat keinen Halt mehr im Knochen findet. Diverse Faktoren wie z. B. Rauchen, Stress oder hormonelle Veränderungen erhöhen die Gefahr für eine Periimplantitis. Darüber hinaus gelten allgemeine Krankheiten wie Diabetes, Immunerkrankungen oder Osteoporose als Risikofaktoren.

Wie entsteht eine Periimplantitis?

Die Implantatschraube wird als künstliche Wurzel im Knochen verankert und wächst fest in den Kiefer ein. Auf den Implantaten wird der Zahnersatz befestigt, z. B. eine Krone oder Brücke. Genau wie bei den natürlichen Zähnen lagern sich auch an diesem Zahnersatz Zahnbeläge ab. Sie bestehen aus Speiseresten und Bakterien, man spricht von Plaque. Diese bakteriellen Zahnbeläge können eine Periimplantitis auslösen, eine Entzündung des umliegenden Weichgewebes. Akribische häusliche Mundhygiene und das regelmäßige Entfernen von Plaque und Zahnstein in der Zahnarztpraxis helfen, eine Periimplantitis zu vermeiden und tragen zu einer langen Lebensdauer von Implantaten bei.

Im Anfangsstadium ist die Periimplantitis meist schmerzfrei. Genau hier liegt das Risiko für den Patienten: Die Erkrankung wird zunächst nicht erkannt, weil keine Schmerzen vorhanden sind. Man erkennt eine Periimplantitis am roten und geschwollenen Zahnfleisch, Berührungsempfindlichkeit und Mundgeruch. Bereits bei den ersten Anzeichen ist es ratsam, die Zahnarztpraxis aufzusuchen, um die Symptome abzuklären und Beläge entfernen zu lassen.

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